Die Projektpartner*innen von Liveability trafen sich am 19. und 20. März in der Kommune Guldborgsund, Dänemark, zu einem inspirierenden Austausch. Nach dem letzten Partnertreffen im September letzten Jahres in Kopenhagen – der Wiege des Liveability-Gedankens – lud diesmal die Partnerkommune Guldborgsund ein. Das Liveability-Team, das sich zur Aufgabe gemacht hat, Städte gemeinsam mit Stadtverwaltungen und Einwohner*innen lebenswerter zu gestalten, wurde zum ersten Mal von ihren Twin Cities ergänzt.

Am ersten Tag des Partnermeetings fanden sich die Partner*innen in den Räumlichkeiten des Rathauses von Guldborgsund in Nykøbing auf der Insel Falster zusammen und wurden feierlich von Simon Hansen, dem Bürgermeister der rund 60.000 Einwohner*innen zählenden Kommune, begrüßt. Er hieß die Gäste herzlich willkommen und führte sie in die Besonderheiten der Region ein, die zu 80 % von Feldern, Wäldern und Wiesen geprägt ist. Dabei hob er besonders die Vorzüge von Strand und Natur im Sommer hervor. Zu dieser Jahreszeit lohne sich auf jeden Fall ein weiterer Besuch – auch gern privat. Guldborgsund erstreckt sich über die beiden Inseln Lolland und Falster, die durch die Meeresenge Guldborgsund getrennt sind und eine lange maritime Tradition haben.
Das Netzwerk wächst: Neue Perspektiven und Kooperationen
Spannend ging es weiter, als sich die Twin Cities vorstellten. Michał Beben und Michał Zelechowski von der Stadtverwaltung von Krosno gaben interessante Einblicke in ihre Stadt, der Partnerstadt von Gdynia. Krosno ist eine Stadt im Südosten Polens, gelegen in der Woiwodschaft Karpatenvorland. Die Stadt hat etwa 46.000 Einwohner*innen und ist bekannt für ihre lange Tradition in der Herstellung von Glaswaren von hoher Qualität. Deswegen wird die Stadt als das Glasherz von Polen bezeichnet. Die Region bietet zudem zahlreiche kulturelle Sehenswürdigkeiten, darunter das Vorkarpaten-Museum, das die Geschichte und Traditionen der Gegend dokumentiert. In ihrer Vorstellung betonten die beiden, dass sie sich über die Zusammenarbeit nicht nur mit Gdynia, sondern auch mit den anderen involvierten Städten freuen, da ähnliche Herausforderungen bestehen und man mehr nach Gemeinsamkeiten als nach Unterschieden sucht.
Dann stellte sich die Stadt Umeå vor, Twin City der Stadt Kiel und größte Stadt Nordschwedens mit rund 134.000 Einwohner*innen. Anna Sandström Emmelin und Camilla Jägerving Isaksson, beide Beauftragte für strategische Entwicklung der Stadt Umeå, erläuterten ihr Pilotprojekt, bei dem intergenerationale Begegnungsorte geschaffen werden. Besonders erwähnenswert ist ihr „Senior Square“, das darauf abzielt, das Leben der Senioren in Umeå zu verbessern, sowie die eigens dafür entwickelte App „Digital Seniortorget“. Gemeinsam mit der Stadt Kiel teilen sie im Liveability-Projekt den Fokus auf „dritte Orte“, um lebenswerte Städte zu fördern. Im April wird Umeå Kiel besuchen, im Oktober folgt dann der Gegenbesuch von Kiel nach Umeå.
Das Twinning-Team koordiniert u. a. die Study Visits zwischen den Twin Cities und stellt Informationen für den weiteren Ablauf bereit. Die Partnerstädte werden gezielt begleitet und schrittweise in das Netzwerk eingebunden.
Nach der Vorstellung der neuen Partnerschaften servierte die Kantine des Rathauses ein schmackhaftes Mittagessen mit viel Gemüse und wenig Fleisch, wobei der Schwerpunkt auf vegetarischen Speisen lag. Die Verwaltungsangestellten in der Gemeinde sind sehr glücklich über dieses reichhaltige Angebot. Die Verwaltung umfasst rund 400 Mitarbeiter*innen.
Innovative Ideen und inspirierende Ausflüge
Nach der Mittagspause fühlten sich die Liveability-Mitstreiter*innen gestärkt für den Ausflug an den Hafen. Nina Raun Munk, Planungs- und Entwicklungsberaterin der Gemeinde, führte bei herrlichem Sonnenschein durch das Hafengebiet. Umgeben von der groß angelegten Baustelle befanden sich die Teilnehmenden mitten im Umgestaltungsprozess und empfanden den Baulärm eher als bereichernd denn als störend – sie waren mittendrin! Der Hafen wird sich bald in ein lebendiges und grünes neues Viertel verwandeln. Besonders das geplante Kulturzentrum Bastebrohuset und die mögliche Umsiedlung des Rathauses an diesen Standort wurden als bedeutende Schritte hervorgehoben, die nicht nur das Stadtbild prägen, sondern auch die Funktion des Hafens als kulturellen und administrativen Mittelpunkt stärken sollen.
Auch die Markthalle (Markedshallen) wird zu einem lebendigen Gemeinschaftszentrum ausgebaut, um einen zentralen Treffpunkt für die lokale Bevölkerung zu bieten. An der Neugestaltung des Gewerbehafens hin zu einem neuen, pulsierenden Stadtteil wird der Schwerpunkt auf Zusammenarbeit, Co-Kreation und Beteiligung gesetzt. Damit das Vorhaben erfolgreich wird, sind die Einwohner*innen, Nutzer*innen und Stakeholder gefragt, sich aktiv am Veränderungsprozess zu beteiligen. Daneben spielen Ehrenamtliche eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung. Am 22. April werden die Türen für die Markthalle geöffnet, um die Halle mit all ihren Einsatzmöglichkeiten und Inspirationen zu präsentieren – eine große Bereicherung für die Gemeinde.
Die Hafentour wurde von einem Besuch bei Jes Jonigk in seiner Vinoteque Marittima, einem Hafenschiff mit Barbetrieb, abgerundet. Er berichtete von seinen Erfahrungen als Privatunternehmer, der sowohl mit der Gemeinde als auch mit anderen Akteuren zusammenarbeitet, um mehr Leben und positive Erlebnisse im Hafen zu schaffen. Mit seinem Schiff bietet er einen echten Publikumsmagneten und trägt aktiv dazu bei, das Hafenareal zu beleben und zu einem lebendigen Treffpunkt für die Gemeinde und Besucher*innen zu schaffen.
Ein kulturelles Erlebnis und ein Ausblick auf die Zukunft
Anschließend stand den Gästen freie Zeit zur Verfügung, um sich nach diesem eindrucksvollen Tag zu erholen oder die Umgebung zu erkunden, bevor es zum nächsten Programmpunkt ging. Um 18:30 Uhr wurden sie mit einem Bus zu einem besonderen Ausflug abgeholt. Es ging zum Gut Fuglsang Herregård, einem historischen Anwesen, einst als Ort zur Förderung von Künstler*innen genutzt, der Raum für kreative Entfaltung und künstlerische Entwicklung bot. Heute ist es ein kulturelles Zentrum, das Veranstaltungen, Ausstellungen und eine bedeutende Sammlung von Kunstwerken bietet. Der Tag klang aus bei guten Gesprächen in geselliger Runde und vorzüglichen Speisen aus regionalen Zutaten, die den Gästen einen kulinarischen Einblick in die dänische Küche gaben.
Der zweite Tag des Treffens begann früh, um 08:15 Uhr. Beim zweiten Study Visit ging es zur Schule Østerbroskolen, begleitet wurde die Gruppe von Diana Gerlach. Die erfahrene Expertin im Bereich der Schulentwicklung und Architektur, die innovative gestalterische Konzepte an der Schule umsetzt, berichtete von ihrer Zusammenarbeit mit den Schülern und anderen Akteuren. Die Partner*innen waren besonders interessiert an den innovativen Konzepten und ließen sich von den Ergebnissen inspirieren.
Mit all diesen Eindrücken ging es zurück an die Arbeit. Es standen noch zwei weitere Sessions an, bevor das Treffen ein Ende fand: Die Session „Upscaling Public Interest Design in Partner Cities", geleitet von der Stadt Riga, sowie eine Training Programme Session, geleitet von der Stadt Pori und der Estonian Academy of Arts (EKA), der angesehenen Kunsthochschule in Estland, die innovative Ansätze in Design und Kunst fördert. Im Rahmen des Trainingsprogramms wurde den Partner*innen und Twins das neu entwickelte „Tour de Trainings“ vorgestellt, das eine spannende Möglichkeit zur Weiterentwicklung bietet.
Nach diesen beiden ereignisreichen Tagen trennten sich die Partner*innen mit einem Gefühl der Euphorie. Es ist spürbar, wie sich das Netzwerk weiterentwickelt hat: Das Vertrauen ist gewachsen, und im Team ist ein starkes Gemeinschaftsgefühl entstanden – bereit, die Samen der Liveability-Idee in europäischen Städten zu säen.
Ein großes Dankeschön an die Guldborgsund Kommune für die großartige Organisation und Gastfreundschaft!
Über Liveability
Das Interreg-Projekt Liveability geht der Frage nach, wie wir unsere Städte zukünftig lebenswerter gestalten können. Ziel des Projekts ist es, öffentlichen Verwaltungen innovative Methoden an die Hand zu geben, um gemeinsam mit Bewohner*innen lebenswerte und attraktive Stadtumgebungen zu schaffen. Im Fokus der Betrachtung stehen mittlere und kleine Städte rund um die Ostsee.
Elf Organisationen, davon sechs Kommunen im Ostseeraum (Gdynia, Guldborgsund, Kiel, Kolding, Pori und Riga), entwickeln gemeinsam eine nutzer*innenzentrierte Herangehensweise, die gegenwärtig in einem nachbarschaftlichen Quartier in jeder Stadt erprobt wird. Die unterschiedlichen Hintergründe der Partner*innen aus Verwaltung, Kultur und Design ermöglichen einen vielfältigen Blick auf diese Fragestellungen und kreative Lösungsansätze.